Quo vadis, Stadt Bischofswerda?

Montag, 17. Oktober 2011

Quelle: Oberlausitzer Kurier, Autorin Katrin Kunipatz

Wenn der Bischofswerdaer Oberbürgermeister Andreas Erler (CDU) öffentliche Vorträge hält oder seine Stadt präsentiert, wirft der Beamer zumeist ein Bild vom Altmarkt auf die Leinwand. Von einer schattigen Ecke im Südosten aus aufgenommen, zeigt sich der zentrale Platz der Stadt von seiner schönsten Seite. An zum gemütlichen Sitzen einladenden Bänken vorbei schweift der Blick über die weiträumige, großzügig gestaltete Platzanlage hinüber zum Rathaus, dem Evabrunnen und den schick sanierten Bürgerhäusern.

Die Idylle scheint perfekt, doch etwas fehlt: Die Menschen.
Gudrun Meier kennt den Altmarkt noch von Ansichten aus früheren Tagen. "Diese zeugen von Vielfalt und Leben, die das Herz unserer Stadt früher prägten", erklärt die Vorsitzende des Museums- und Geschichtsvereines Bischofswerda. Heute hingegen kennzeichneten zumeist Leere oder bestenfalls eilig darüber hinweg hastende Menschen den Altmarkt. Manch ein Bischofswerdaer wünscht sich sogar die "grünen Buden" zurück – die zumeist als hässlich empfundenen, zum Mittagessen jedoch gern aufgesuchten Imbissstände: "Mit den Buden war noch Leben auf dem Markt.

Heute bekommt man nicht mal mehr eine Bockwurst." "Die Bischofswerdaer Innenstadt stirbt seit 15 Jahren. Das kann sich noch eine Weile hinziehen, aber irgendwann ist sie tot", so eine drastische Meinung, vorgetragen auf dem Bürgerforum der Stadtverwaltung am vergangenen Dienstag im Kulturhaus. Vordergründig lautete das Thema: "Bau eines Einkaufszentrum auf der Herrmannstraße oder lieber doch auf der Stolpener Straße?" Letzten Endes ging – und geht – es in der Diskussion jedoch darum, wie es am besten gelingt, das Leben in die Innenstadt zurückzuholen.

Laut Oberbürgermeister Andreas Erler stehen drei Möglichkeiten zur Debatte: Man könne die "große Variante" auf der Stolpener Straße mit 4.000 Quadratmetern Verkaufsfläche weiter verfolgen. "Änderung des Flächennutzungsplanes, Zielabweichungsverfahren und bei Ablehnung Klage vor dem Oberverwaltungsgericht – das wäre der Werdegang; Zeitdauer und Ausgang völlig unklar."

Man könne zweitens eine "kleine Variante" mit 2.000 Quadratmetern am gleichen Standort favorisieren; dies wäre vielleicht genehmigungsfähig, werde wegen der Entfernung zur Innenstadt jedoch kritisch gesehen; oder man könne sich für ein Einkaufszentrum mit 2.000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf dem hinteren Teil des bisherigen unbefestigten Parkplatzes an der Herrmannstraße entscheiden.

"Dieser dritte Weg hat aus meiner Sicht die meiste Aussicht auf Erfolg, stößt in der Bürgerschaft aber offenbar auf viel Kritik", so der OB, noch unter dem Eindruck der wenige Stunden zuvor erfolgten Abgabe von 2.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren stehend, das sich gegen die Überbauung des Areals wendet.
Auch während des Forums selbst stellte sich das Stimmungsbild fast einheitlich dar: Der Bau eines Einkaufszentrums an der Herrmannstraße – konzipiert als "Markt der Generationen" – stieß auf fast einhellige Ablehnung.

Doch auch die "kleine Variante" auf der Stolpener Straße ist nicht das, was sich viele Bischofswerdaer wünschen. "Ausgangspunkt der ganzen Diskussion war doch der Wunsch nach einem Magneten, von dessen Anziehungskraft auch die Innenstadt profitiert", so der Rechtsanwalt und prominente OB-Kritiker Jürgen Neumann. "Mit einem weiteren Lebensmittelmarkt, wie es schon so viele in Bischofswerda gibt, erreichen wir das nicht. Deswegen kommt niemand aus dem Umland in unsere Stadt." Erforderlich sei hingegen eine Lösung, die "der Bedeutung Bischofswerdas angemessen ist." Und hierfür käme nur die "große Variante" in Frage.

Und hier stieß die Diskussion an ihre Kernfrage: Welche Bedeutung ist der Freistaat Sachsen noch bereit, der Stadt Bischofswerda zuzumessen? Als Grundzentrum, das sie laut Landesentwicklungsplan nur noch darstellt, steht ihr ein Einkaufszentrum mit 4.000 Quadratmetern Verkaufsfläche nicht zu. Allerdings seien Ausnahmen möglich – "wenn Bedarf besteht." Und diesen Bedarf nachzuweisen – auch in Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden, für die "Schiebock" noch immer das traditionelle Zentrum darstellt, sei Aufgabe der Stadtpolitik.

Oberbürgermeister Andreas Erler will die Erkenntnis, "dass es zum Standort Herrmannstraße eine eindeutige Meinung gibt", nunmehr mit in den Stadtrat nehmen. "Gegen den Willen der Bürger werden wir nichts entscheiden", versichert er. Dennoch bleibt auch für ihn die Frage, wie es weitergehen soll: "Es steht alles wieder auf Anfang."


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